Unsere Arbeit

Wie lässt sich das Lebenswerk einer Künstlerin strukturieren, die ihr ganzes Leben lang produziert hat? Die Arbeit am Nachlass von Ellen Banks begann als offener, selbstorganisierter Prozess. Ein kleines Team ohne klassische Expertise in der Verwaltung von Künstler*innennachlässen, dafür mit Neugier, Respekt und unterschiedlichen Perspektiven, näherte sich einem umfangreichen, fragmentarisch überlieferten Werk.

In ihrem Testament verfügte Banks, dass ihr künstlerisches Vermächtnis nach Berlin überführt werden sollte – eine Stadt, in der sie ihre letzten Lebensjahre hatte verbringen wollen. Dieser Wunsch blieb unerfüllt: 2017 verstarb sie an Krebs. Nach langwierigen rechtlichen Auseinandersetzungen traf im Jahr 2021 ein Container in Berlin ein – gefüllt mit Arbeiten, Fragmenten, persönlichen Gegenständen und offenen Fragen. Ein ungeordneter Schatz, der seither Schritt für Schritt erschlossen wird.


Der erste Schritt war eine systematische Bestandsaufnahme. Die Werke wurden ausgepackt, gereinigt, fotografiert und inventarisiert – eines nach dem anderen. So entstand eine erste digitale Liste:


Sichtungsnummer 23/001, Adagio, Moonshine Sonata – Measure 20, handgeschöpftes Papier auf Leinwand, Acrylfarben in mehreren Lasuren, kein Datum.Sichtungsnummer 23/002, untitled, Wachs auf Holzbildträger, Enkaustik, kein Datum.


Was zunächst eine schlichte Tabellenstruktur war, entwickelte sich schnell zu einem Erkenntnisinstrument. Jede Spalte – Material, Technik, Zustand, Datierung – warf neue Fragen auf. Mit jedem Werk wurden die Kategorien hinterfragt, mit jeder neuen Spalte veränderte sich der Blick auf den gesamten Nachlass.


Heute ist das digitale Sheet ein vielschichtiges Archiv. Es dokumentiert nicht nur Träger, Technik, Maße und Serienzugehörigkeit, sondern enthält auch visuelle Beschreibungen, Hinweise zu Oberflächen, Farbtönungen, Textzitate sowie Spuren künstlerischer Improvisation, Alterung und Beschädigung.


Der Bestand umfasst mehrere hundert Arbeiten: zahlreiche Enkaustik-Werke, Arbeiten auf handgeschöpftem Papier, Acrylgemälde, Skizzen, Notizen und begleitende Materialien. Hinzu kommen Textilarbeiten, Kupferplatten mit zugehörigen Druckgrafiken sowie ein umfangreicher Bestand an dokumentarischen Materialien – Tagebücher, Korrespondenzen, Dias, Notizbücher und multimediale Datenträger aus unterschiedlichen Lebensphasen. Vieles davon ist noch nicht abschließend erfasst, nimmt jedoch zunehmend Form an und eröffnet neue Zugänge zum Werk und zur Persönlichkeit von Ellen Banks. In diesem Zusammenhang lässt sich Loretta Würtenbergers Gedanke aufrufen, dass „das Archiv die Negativform des künstlerischen Lebens in Text und Objekt ist“.


Die Arbeit am Nachlass verläuft nicht linear. Sie gleicht einem offenen System, in dem sich Ordnung durch Beobachtung herausbildet. Die Inventarisierung wird dabei zur Übersetzung: Aus einer einfachen Sichtungsnummer entsteht eine komplexe Signatur, die Material, Kontext und Geschichte eines Werkes bündelt.


So wurde aus 23/001 im Laufe der Zeit EB/CS-C/MM/NS01_(23/001)_T, aus Mood Indigo mit der Sichtungsnummer 23/041 EB/CS-W/E/TE06_(23/041)_R.


Die Inventarnummer fungiert als Sammlung relevanter Informationen – sie verweist auf Künstlerin, Bildträger, Technik, Titel, Signatur, Datierung, Rahmung und Erhaltungszustand. Viele dieser Angaben ließen sich erst durch Hinweise auf den Rückseiten der Arbeiten oder durch Abgleiche mit Print- und Archivmaterial rekonstruieren. Der Prozess gleicht einem Puzzle, dessen Sinn sich erst mit der Zeit entfaltet und dabei Schaffensphasen und Arbeitsweisen sichtbar macht.


Ziel ist keine endgültige Ordnung, sondern das Sichtbarmachen eines Werkes, das in Schichten spricht: aus Farbe, Struktur, Notation und Erinnerung. Es wird archiviert, um zugänglich zu bleiben – für die Gegenwart und für kommende Auseinandersetzungen.


Begleitend zur Werkerschließung werden die Informationen mit Katalogen früherer Ausstellungen, Pressetexten, privater Korrespondenz und einer umfangreichen Diasammlung abgeglichen, die Banks zur Dokumentation und Vermittlung ihrer Arbeiten nutzte. Zudem entstanden Kontakte zu Weggefährt*innen der Künstlerin, darunter der Fotograf Louis Rouge sowie der Kurator und Kunsthistoriker Dr. Kenneth Hartvigsen, der mit Banks in New York zusammengearbeitet hat.


Einblicke in diesen fortlaufenden Prozess wurden im Rahmen mehrerer Ausstellungen öffentlich gemacht, darunter im Künstlerhaus Brieselang (2023), in der Galerie Grolmann (2024) sowie im ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst (2025).




In ihrem Testament verfügte Banks, dass ihr künstlerisches Vermächtnis nach Berlin überführt werden sollte – eine Stadt, in der sie ihre letzten Lebensjahre hatte verbringen wollen. Dieser Wunsch blieb unerfüllt: 2017 verstarb sie an Krebs. Nach langwierigen rechtlichen Auseinandersetzungen traf im Jahr 2021 ein Container in Berlin ein – gefüllt mit Arbeiten, Fragmenten, persönlichen Gegenständen und offenen Fragen. Ein ungeordneter Schatz, der seither Schritt für Schritt erschlossen wird.


Der erste Schritt war eine systematische Bestandsaufnahme. Die Werke wurden ausgepackt, gereinigt, fotografiert und inventarisiert – eines nach dem anderen. So entstand eine erste digitale Liste:


Sichtungsnummer 23/001, Adagio, Moonshine Sonata – Measure 20, handgeschöpftes Papier auf Leinwand, Acrylfarben in mehreren Lasuren, kein Datum.Sichtungsnummer 23/002, untitled, Wachs auf Holzbildträger, Enkaustik, kein Datum.


Was zunächst eine schlichte Tabellenstruktur war, entwickelte sich schnell zu einem Erkenntnisinstrument. Jede Spalte – Material, Technik, Zustand, Datierung – warf neue Fragen auf. Mit jedem Werk wurden die Kategorien hinterfragt, mit jeder neuen Spalte veränderte sich der Blick auf den gesamten Nachlass.


Heute ist das digitale Sheet ein vielschichtiges Archiv. Es dokumentiert nicht nur Träger, Technik, Maße und Serienzugehörigkeit, sondern enthält auch visuelle Beschreibungen, Hinweise zu Oberflächen, Farbtönungen, Textzitate sowie Spuren künstlerischer Improvisation, Alterung und Beschädigung.


Der Bestand umfasst mehrere hundert Arbeiten: zahlreiche Enkaustik-Werke, Arbeiten auf handgeschöpftem Papier, Acrylgemälde, Skizzen, Notizen und begleitende Materialien. Hinzu kommen Textilarbeiten, Kupferplatten mit zugehörigen Druckgrafiken sowie ein umfangreicher Bestand an dokumentarischen Materialien – Tagebücher, Korrespondenzen, Dias, Notizbücher und multimediale Datenträger aus unterschiedlichen Lebensphasen. Vieles davon ist noch nicht abschließend erfasst, nimmt jedoch zunehmend Form an und eröffnet neue Zugänge zum Werk und zur Persönlichkeit von Ellen Banks. In diesem Zusammenhang lässt sich Loretta Würtenbergers Gedanke aufrufen, dass „das Archiv die Negativform des künstlerischen Lebens in Text und Objekt ist“.


Die Arbeit am Nachlass verläuft nicht linear. Sie gleicht einem offenen System, in dem sich Ordnung durch Beobachtung herausbildet. Die Inventarisierung wird dabei zur Übersetzung: Aus einer einfachen Sichtungsnummer entsteht eine komplexe Signatur, die Material, Kontext und Geschichte eines Werkes bündelt.


So wurde aus 23/001 im Laufe der Zeit EB/CS-C/MM/NS01_(23/001)_T, aus Mood Indigo mit der Sichtungsnummer 23/041 EB/CS-W/E/TE06_(23/041)_R.


Die Inventarnummer fungiert als Sammlung relevanter Informationen – sie verweist auf Künstlerin, Bildträger, Technik, Titel, Signatur, Datierung, Rahmung und Erhaltungszustand. Viele dieser Angaben ließen sich erst durch Hinweise auf den Rückseiten der Arbeiten oder durch Abgleiche mit Print- und Archivmaterial rekonstruieren. Der Prozess gleicht einem Puzzle, dessen Sinn sich erst mit der Zeit entfaltet und dabei Schaffensphasen und Arbeitsweisen sichtbar macht.


Ziel ist keine endgültige Ordnung, sondern das Sichtbarmachen eines Werkes, das in Schichten spricht: aus Farbe, Struktur, Notation und Erinnerung. Es wird archiviert, um zugänglich zu bleiben – für die Gegenwart und für kommende Auseinandersetzungen.


Begleitend zur Werkerschließung werden die Informationen mit Katalogen früherer Ausstellungen, Pressetexten, privater Korrespondenz und einer umfangreichen Diasammlung abgeglichen, die Banks zur Dokumentation und Vermittlung ihrer Arbeiten nutzte. Zudem entstanden Kontakte zu Weggefährt*innen der Künstlerin, darunter der Fotograf Louis Rouge sowie der Kurator und Kunsthistoriker Dr. Kenneth Hartvigsen, der mit Banks in New York zusammengearbeitet hat.


Einblicke in diesen fortlaufenden Prozess wurden im Rahmen mehrerer Ausstellungen öffentlich gemacht, darunter im Künstlerhaus Brieselang (2023), in der Galerie Grolmann (2024) sowie im ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst (2025).