Biographie

Ellen Banks war eine US-amerikanische Künstlerin, deren Werk an der Schnittstelle von abstrakter Malerei, musikalischer Struktur und kunsttheoretischer Reflexion angesiedelt ist. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine konsequent entwickelte Bildsprache aus, in der Musik nicht als Thema, sondern als strukturelles Ausgangsmaterial fungiert.

Geboren 1938 in Boston, Massachusetts, wuchs Banks in einem baptistischen Umfeld auf und erhielt früh eine klassische Klavierausbildung. Die Auseinandersetzung mit Musik prägte ihr Denken nachhaltig, auch wenn sie sich bewusst gegen eine professionelle Laufbahn als Pianistin entschied. Stattdessen wandte sie sich der Malerei zu, die sie als den Ort verstand, an dem kreative Eigenständigkeit möglich wurde. Nach ihrem Bachelorabschluss am Massachusetts College of Art studierte sie an der School of the Museum of Fine Arts in Boston, wo sie später von 1974 bis 1996 als Professorin für Malerei tätig war.


In den frühen 1960er-Jahren begann Banks ihre künstlerische Laufbahn mit figurativen Arbeiten, bevor sie sich schrittweise einer zunehmend reduzierten und geometrischen Abstraktion zuwandte. Ihre erste Einzelausstellung fand 1962 in den Dunbarton Galleries in Boston statt. Bereits in diesen frühen Arbeiten zeigte sich ein starkes Interesse an Farbe, Rhythmus und Struktur. Ein Schlüsselwerk dieser Phase ist Midnight Sail (1969), das in die Sammlung des San Francisco Museum of Modern Art aufgenommen wurde.


Ab den 1970er-Jahren intensivierte Ellen Banks ihre theoretische Auseinandersetzung mit der Moderne, insbesondere mit den Konzepten der De-Stijl-Bewegung. Diese Beschäftigung fand sowohl in ihren Werken als auch in ihren kunsttheoretischen Schriften Ausdruck. Parallel dazu entwickelte sie eine zunehmend analytische Bildsprache, die sich von narrativen oder autobiografischen Lesarten bewusst distanzierte.


Einen zentralen Wendepunkt markierte 1981 der Beginn ihrer systematischen Arbeit mit musikalischen Partituren. Banks entwickelte ein eigenes visuelles Transkriptionsverfahren, bei dem Noten bestimmten Farben zugeordnet wurden. Ausgangspunkt ihrer Gemälde war stets die geschriebene Partitur, nicht die musikalische Aufführung. Musik fungierte als visuelle Struktur, die sie in eigenständige abstrakte Kompositionen übersetzte. In den folgenden Jahren löste sie sich zunehmend von einer strengen formalen Übertragung und entwickelte eine freiere, subjektivere Bildsprache, in der Musik als Impulsgeber und Katalysator wirkte.


Ein bedeutendes Werkensemble dieser Phase ist die 1988 entstandene Serie Nocturnes, inspiriert von den gleichnamigen Kompositionen Frédéric Chopins. Die Serie umfasst 19 Acrylgemälde, die vollständig im Nachlass erhalten sind. Dunkle Bildgründe, metallische Farbakzente und rhythmisierte Farbflächen übersetzen die nächtliche Atmosphäre der Musik in eine visuelle Sprache zwischen Abstraktion und Assoziation.


In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren war Ellen Banks international ausgestellt und zunehmend auch in Europa präsent. Eine besondere Bedeutung kommt ihrer Ausstellung im Jahr 1992 im damaligen Amerika-Haus in Berlin (heute C/O Berlin) zu. Diese Ausstellung markiert nicht nur einen wichtigen Moment ihrer europäischen Rezeption, sondern auch den Beginn ihrer Verbindung zu Berlin: Dort lernte sie Katrin G. kennen, die später zur Erbin ihres künstlerischen Nachlasses wurde. Berlin wurde damit zu einem zentralen Ort für die posthume Auseinandersetzung mit ihrem Werk.


Ellen Banks wurde unter anderem von dem New Yorker Galeristen Andre Zarre vertreten und stellte ihre Arbeiten in zahlreichen Städten Nordamerikas und Europas aus, darunter Sofia, Amsterdam, Krakau und Warschau. In ihren letzten Lebensjahren trat sie teils auch unter den Namen Naomi Banks oder Ellen Naomi auf, insbesondere im musikalischen Kontext; ihre bildkünstlerischen Arbeiten signierte sie jedoch weiterhin unter dem Namen Ellen Banks.


Ellen Banks verstarb am 18. Mai 2017 an den Folgen eines rezidiven Tumors. Ihr umfangreicher Nachlass eröffnet bis heute neue Perspektiven auf ein Werk, das sich konsequent jenseits von kunstmarkt getriebenen Trends entwickelte und in seiner Verbindung von Musik, Abstraktion und Theorie eine eigenständige Position innerhalb der Nachkriegskunst einnimmt.